26

Feb

2013

Neues vom Giving Pledge

Schon vor einigen Jahren erregte die Aktion von Bill Gates und Warren Buffett Aufmerksamkeit: Die reichsten Amerikaner sollten sich verpflichten, die Hälfte ihres Vermögens für das Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen. 105 haben es bisher getan. In Deutschland war die Aktion zunächst erfolglos – bis vor kurzem Hasso Plattner damit in Berührung kam. Ob er tatsächlich der Initiative beigetreten ist, wie die Initiatoren und auch Plattners Unternehmen SAP verkündeten, oder ob es da ein Mißverständnis gegeben hat, wie Plattner kurz darauf verlauten ließ, ist immer noch offen. Aber der Vorgang zeigt, daß drei Probleme in der Aktion stecken:

1. Giving Pledge ist eine öffentlich abgegebene moralische Verpflichtung. Ob und wie sie eingehalten wird, kann weder nachgeprüft noch gar eingeklagt werden. Ihr Wert liegt in dem Appell an die vielen Reichen auf der Welt, über das Gemeinwohl und ihren Beitrag dazu nachzudenken. Nicht beizutreten, ist jedermanns gutes Recht, aber Fragen dazu muß sich der dann schon gefallen lassen.

2. Auch in Deutschland steigt seit einigen Jahren die Zahl der wirklich vermögenden Mitbürger, die als bedeutende Stifter, Spender oder in anderer Form Beitragende zum gemeinen Wohl in Erscheinung treten, erfreulich an. Sie brauchen sich nicht vorrechnen lassen, wie groß ihr Beitrag in Prozent ihres Vermögens ist. Sie können, wenn sie ihre Steuern gezahlt haben, frei darüber verfügen. Es mag auch sein, daß die amerikanische Initiative auf deutsche Verhältnisse nicht paßt. Aber die Deutschen haben sich in die Defensive drängen lassen. Sie täten gut daran, von sich aus zu mehr Engagement aufzurufen und ein Konzept dafür vorzuschlagen. denn es gibt schon noch viele wohlhabende Menschen, die mehr tun könnten! Bürgerschaftliches Engagement ist heute wichtiger denn je – nicht wegen der angeblich leeren Staatskassen, sonderrn, damit wir eine Bürgergesellschaft werden, die lebenswert ist.

3. Mehr als in Deutschland richtet sich die Kritik dagegen, daß einzelne Bürger auf Grund ihres finanziellen Einsatzes Beiche gestalten, die eigentlich vom Staat gestaltet werden sollten. Dies kann im Einzelfall zutreffen. Ganz sicher liegt das Ausgabevolumen der Bill und Melinda Gates Stiftung (über 3 Milliarden $ im Jahr) in einer Größenordnung, bei der man über so etwas nachdenken muß. Aber dem Staat grundsätzlich ein höhere Einsicht in die Notwendigkeiten des allgemeinen Wohls zuzublligen, ist nach allen Erfahrungen mit staatlichen Maßnahmen absurd. Eine transparent und engagiert handelnde Zivilgesellschaft bringt mehr voran als die Parlamente und Regierungen. Das Mißtrauen ist eine Beleidigung für alle, die sich engagieren und hält begreiflicherweise viele davon ab, es zu tun – übrigens auch mit Zeit. Etwas mehr Vertrauen in das Handeln der Bürger wäre besser.

Worauf es ankommt, ist der informierte öffentliche Diskurs über die Ergebnisse des Engagements, nicht ideologische Kritik an dessen gemutmaßten Absichten.

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